Aus der Arbeit der Kernen-Masvingo-Gesellschaft
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Wegen steigender Corona-Infektionen konnte wiederum keine reguläre Ausschuss-Sitzung stattfinden, erneut musste eine Telefonkonferenz (TELKO) durchgeführt werden. Dabei wurden folgende Beschlüsse gefasst:
1. Bau einer Hütte für die Familie des Patenkindes Gamuchirai
Die 8-köpfige Famile lebt sehr beengt in 3 ärmlichen Rundhütten (s. Bericht 42.KW). Durch den Bau einer 2-Zimmer-Hütte für die 6 Kinder und Reparatur des Küchendaches für zusammen 1.200,– € soll die Familie unterstützt werden. Die Finanzierung erfolgt durch Spenden und freien Mitteln der KMG.
2. Wohnraum für heimatlose junge Menschen
Während junge Mädchen nach Abschluss der Schule oft von den Angehörigen gegen „Labola“ (= Brautgeld) verheiratet werden, finden Jungs kaum Unterkunft bei ihren Verwandten und sind ganz auf sich alleine gestellt. Nun soll ein Gelände gefunden werden, das Platz für junge Menschen zum Bau von Hütten und zum Wohnen bietet. Dabei ergeht eine Anfrage an den „Local Chief“, der als Häuptling im ländlichen Gebiet den Bau von Hütten genehmigen muss. Die KMG leistet die Anschubfinanzierung für den Kauf von Baumaterialien.
3. Lebensmittel für Patenkinder
Durch den Corona-Shutdown besteht bei vielen Patenkindern großer Mangel an Nahrungsmitteln. Der zusätzliche Bedarf soll zunächst aus Patengeldern gedeckt werden, die Zuteilung erfolgt in Abstimmung mit Schwester Katharina.
4. Jahreshauptversammlung (JHV) 2020
Aller Voraussicht nach ist wegen Corona die Durchführung der diesjährigen JHV nicht möglich. Daher werden die Berichte der Vorstände und der Kassenbericht im November auf die Homepage eingestellt und per E-Mail und auf dem Postweg an die Mitglieder und Pateneltern verschickt.
+++ Covid-19-Info Simbabwe (18.10.2020):
8.110 Infizierte / 6.673 Genesene / 231 Verstorbene
Patenkind Gamuchirai, 17 Jahre
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Die „Frauengruppe Deborah“ aus Oeffingen unterstützt bereits seit 2012 ihr Patenkind Gamuchirai und verfolgte mit großem Interesse den Bericht unserer Patenbeauftragten Margret und Sabine. Das aufgeweckte Mädchen ist an der Sekundarschule Bondolfi in der 4. Klasse und muss täglich 4 km zu Fuß gehen. Im schulischen Profil steht, dass sie sehr gute Leistungen zeigt und „jeden Tag in die Schule kommt“. Ihr Hobby ist Sport und Fußball, auf Distriktebene gewann sie beim 200-Meter-Lauf der U17-Mädchen eine Silbermedaille und spielt Fußball im Schul-Team.
Gamuchirai lebt nahe Masvingo zusammen mit den Eltern, 4 Geschwistern und dem kleinen Neffen, die älteste Schwester ist Alleinerziehende. Die Familie wohnt in ärmlichen grasbedeckten Rundhütten ohne elektrischen Strom. In der winzigen überfüllten Schlafzimmerhütte schlafen Mädchen und Jungen gemeinsam. Der Vater ist psychisch krank und neigt zu Gewalttätigkeiten. Ernährerin ist die Mutter, die neben der kargen Landwirtschaft in illegalen Minen nach Gold schürft. Hier kommt es häufig zu Missbrauchsfällen, wie die älteste Schwester leidvoll erfahren musste. Es besteht Mangel an Lebensmitteln und Kleidung, das Schulgeld ist kaum bezahlbar und der Vater braucht dauerhaft medizinische Unterstützung.
Alle Deborahs waren sehr berührt und sind ihrem Patenkind ein ganzes Stück näher gekommen. Sie wollen Gamuchirai weiter helfen, so gut wie sie können.
Bei Gamuchirai zu Hause
Bondolfi öffnet die Schule für Abschlussprüfungen
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Nach über 6 Monaten Schließung wurde am 28. September der Unterricht in Simbabwe schrittweise wieder aufgenommen. Dies betrifft vor allem Schulklassen, die kurz vor den Abschlussprüfungen stehen. Auch erfolgte ein Aufruf des UN-Kinderhilfswerks UNICEF die Schulen im östlichen und südlichen Afrika wieder zu öffnen. UNICEF-Direktor Mohamed Malick Fall sprach von einer „beispiellosen Bildungskrise“, hervorgerufen durch die Pandemie. Radio und Online-Lernmethoden erreichen nicht alle Schüler, einige verloren auch die täglichen Mahlzeiten, die sie in der Schule erhalten haben. Weiter bemerkte Fall: „Verlorenes Lernen schadet Kindern und der Gemeinschaft, Gewalt gegen Kinder und Schwangerschaften im Teenager-Alter nehmen zu.“
Im Klassenzimmer der Primary School in Bondolfi
Der Minister für Hochschul- und Tertiärbildung in Simbabwe versprach zusätzliche Mittel für die Einhaltung der Covid-19-Richtlinien, doch widersetzt sich die simbabwische Lehrergewerkschaft einer Rückkehr in die Klassenzimmer. Die Lehrer verdienen ungefähr 100 US-Dollar im Monat, einschließlich einer COVID-19-Zulage von 75 US-Dollar. Sie fordern zusätzlich 500 US-Dollar, damit der Lebensunterhalt über die Armutsgrenze hinaus möglich wäre. Auch seien für eine Wiedereröffnung der Schulen etliche Sicherheitsprobleme noch nicht gelöst.
+++ Covid-19-Info Simbabwe (27.09.2020):
7.787 Infizierte / 6.057 Genesene / 227 Verstorbene
Weiße Farmer erhalten ihr Land zurück
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20 Jahre nach der Landreform will die simbabwische Regierung weißen Farmern ihr Land zurückgeben. Unter dem früheren Präsidenten Mugabe wurde eine umstrittene Landreform durchgeführt und rund 4.000 weiße Farmbesitzer enteignet. Die Reform wurde damit begründet, dass Weiße während der Kolonialherrschaft der schwarzen Landbevölkerung Land weggenommen hätten. In der Folge kam es zu blutigen Auseinandersetzungen und Übergriffen auf die weiße Bevölkerungsminderheit.
Nach der umstrittenen Landreform brach die Tabakproduktion um mehr als die Hälfte ein. Seither befindet sich der größte Teil der nutzbaren Ackerfläche in Staatsbesitz und gilt als Grund für die wirtschaftliche Misere. Banken vergaben keine Kredite, wenn die Pachtverträge als Sicherheit nicht ausreichten. Auch konnten viele neue Besitzer ihr Land zunächst nicht ausreichend bewirtschaften, weil Geräte und Düngemittel fehlten. Die Folge war ein gravierender Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion und eine Hungerkrise. USA und EU reagierten mit Sanktionen gegen simbabwische Personen und Unternehmen, die teils bis heute gelten.
Ende Juli unterzeichnete die Regierung von Präsident Mnangagwa und Vertreter der Farmer (CFU) eine Vereinbarung über finanzielle Entschädigungen in Höhe von 3,5 Milliarden US-Dollar. Es gibt jedoch Zweifel, ob wegen der wirtschaftlichen Krise das Programm umgesetzt werden kann. Auch forderten die Kriegsveteranen als größte Nutznießer der Landreform die Regierung auf, die Entschädigungen für die ehemaligen weißen Farmer auszusetzen.
Deutsche Welle 01.09.2020
Hirtenbrief der katholischen Bischofskonferenz stößt auf harsche Kritik eines Kirchenführers
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Der Bischof der Zion Christian Church (ZCC), Nehemiah Mutendi, hat den Hirtenbrief der römisch-katholischen Bischöfe verurteilt, in dem die Regierung Simbabwes wegen angeblicher Menschenrechtsverletzungen und schlechter Führung kritisiert wurde. Der Patron des Indigenen Interkonfessionellen Rates der Kirchen Simbabwes (ZIICC) sprach am Dienstag in Mutare vor den Medien und sagte, die Kirche sollte die schlechten Dinge, die in der Vergangenheit passiert sind, nicht erneut betrachten, sondern das Unrecht durch Gebet korrigieren …
Bishop Nehemiah Mutendi with President President Emmerson Mnangagwa
Bischof Rudolf Nyandoro, einer der Unterzeichner des Hirtenbriefs der katholischen Bischofskonferenz Simbabwe (ZCBC), schickte der Kernen-Masvingo-Gesellschaft den Brief in englischem Wortlaut zu. Mit Hilfe des Google-Übersetzers wurde der Brief auf deutsch verfasst – trotz aller sprachlichen Unzulänglichkeiten kann sich der Leser selbst ein Urteil bilden.
Übersetzung Hirtenbrief (ZCBC)
DER MARSCH IST NICHT ZU ENDE – HIRTENBRIEF DER KATHOLISCHEN BISCHOFSKONFERENZ IN SIMBABWE ÜBER DIE AKTUELLE SITUATION
IN SIMBABWE
Quelle: Katholische Bischofskonferenz in Simbabwe (ZCBC) 14. August 2020
Einführung
John Robert Lewis, ein amerikanischer Politiker und Bürgerrechtler, der im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten war, ist kürzlich verstorben. Bei seiner Beerdigung wurde er für seine Erkenntnis gelobt, dass der Marsch für die Freiheit auch in der gegenwärtigen Zeit, in der wir leben, nicht beendet ist. Auch dies ist unsere heutige Herausforderung in Simbabwe, die einen, die an eine vollendete Befreiung glauben und die anderen, die erkennen, dass der Marsch nicht beendet ist. Friedenskonsolidierung und Nation-Building (= Aufbau staatlicher Organisationen) sind niemals erledigte Aufgaben. Jede Generation muss nationalen Zusammenhalt und Frieden herstellen.
Aktuelle Ereignisse
Der Kampf in Simbabwe zwischen denen, die meinen angekommen zu sein, und denen, die auf dem Marsch sind, hat zu einer vielschichtigen Krise des wirtschaftlichen Zusammenbruchs geführt – Armut, Ernährungsunsicherheit, Korruption und Menschenrechtsverletzungen haben sich verschärft. Der Aufruf zu Demonstrationen ist Ausdruck wachsender Frustration, die durch Bedingungen verursacht werden, in denen sich die Mehrheit der Simbabwer befinden. Die Unterdrückung des Zorns der Menschen kann nur dazu dienen, die Krise zu vertiefen und die Nation in eine tiefere Krise zu führen. Dies geschieht vor dem Hintergrund ungelöster Verletzungen in der Vergangenheit wie Gukurahundi (= Ausdruck für die Morde von Robert Mugabes Fünfter Brigade in einigen Ndebele-Provinzen in den 1980er-Jahren, denen mindestens 10.000 Menschen zum Opfer fielen, überwiegend Ndebele) und bringt immer noch wütendere neue Generationen hervor. Die Stimmen verschiedener Regierungen, die Europäische Union, die Afrikanische Union und die Vereinten Nationen haben nicht nur die verzweifelte Lage in Simbabwe und die Schwere der Menschenrechtsverletzungen durch Regierungsagenten bestätigt, sondern erkennen auch die Notwendigkeit des Protestes („Zimbabwean lives matter“, auf deutsch „Simbabwische Leben zählen“). Nach dem Vorgehen der Regierung gegen die Demonstrationen am 31. Juli gab es einige Versuche von Präsident Cyril Ramaphosa aus Südafrika, einen Sonderbeauftragten zu entsenden. Das Versäumnis der Regierung, in dieser stürmischen Zeit mit der Kirche und der Zivilgesellschaft umfassende Gespräche zu führen, gibt Anlass zur Sorge. War dies nicht eine verpasste Gelegenheit? In der Zwischenzeit leben einige unserer Leute im Untergrund, einige sind inhaftiert, während andere auf der Flucht sind. Angst läuft heute vielen den Rücken hinunter. Das Vorgehen ist beispiellos. Ist das Simbabwe, das wir wollen? Eine andere Meinung zu haben bedeutet nicht, ein Feind zu sein. Gerade aus dem Kontrast der Meinungen kommt das Licht. Unsere Regierung bezeichnet jeden, der anders denkt, automatisch als Feind des Landes: Das ist ein Missbrauch.
Korruption
„… der Herrscher verlangt Geschenke, der Richter nimmt Bestechungsgelder an,
die Mächtigen diktieren, was sie wollen“ (Micha 7, 3)
Die Korruption im Land hat alarmierende Ausmaße erreicht. Regierung und Zivilgesellschaft sind sich einig, dass Korruption die Wirtschaft blockiert und unser Justizsystem gefährdet. Trotz dieser Erkenntnis, hat die Regierung keine ernsthaften Maßnahmen ergriffen, um das Land von dieser Geißel zu befreien. Der „Catch and Release“-Ansatz lässt den gewöhnlichen Mann auf der Straße an der Aufrichtigkeit der Regierung zweifeln, effektiv mit Korruption umzugehen. Gibt es etwa keinen Zusammenhang zwischen den Enthüllungen von einigen Journalisten über die endemische Korruption der Regierungsbeamten und ihrer Verhaftung? In Micha 7,1-6 ist der Prophet über den Zustand seiner Nation unglücklich. Niemandem kann vertraut werden, und die Menschen warten im Verborgenen und tun sich gegenseitig Gewalt an. Dieser ernste und traurige Zustand, sagt Micha, liegt daran, dass den Führern nicht vertraut werden konnte. Sie nutzen ihre Macht zum persönlichen Vorteil. Micha war ein Prophet vom Lande, der den reichen und gottlosen Führern Judas den Tadel Gottes verkündete. Micha setzte sich, wie viele Propheten für die Armen und Unterdrückten, ein und übermittelte eine Botschaft der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Er kümmerte sich mit tiefem Mitgefühl um Gottes Volk. Micha verurteilte Israels korrupte Führer und entlarvte ihre Heuchelei. Gott, sagte der Prophet, lässt sich nicht täuschen, auch wenn Führer die richtigen Worte sagen, aber korrupte Herzen haben. Politische Korruption, Gier und Arroganz waren unter den Führern seiner Zeit weit verbreitet. Sie kümmerten sich nicht um das Unternehmen oder das Gemeinwohl. Micha sagte, wenn sich die Führer verirren, dann deshalb, weil sie sich nicht länger als Diener des Volkes sehen. Sie gefährden jeden in der Organisation oder Nation. Diener des Volkes stellen die Interessen und Bedürfnisse ihrer Anhänger vor ihre Eigeninteressen und Bedürfnisse. Im Allgemeinen schätzen sie das Wohlergehen und die Entwicklung ihrer Anhänger, bauen ihre Gemeinschaften auf, handeln authentisch und teilen die Macht. Die Prämisse des Dienens ist, dass die effektivsten und einflussreichsten Führer sich bemühen, anderen zu dienen. Der Diener wird ständig darüber nachdenken, was für die Menschen, über deren Leben sie Macht haben, den geringsten Schaden oder Schmerz verursacht und hat Achtung vor jeder Person. Die Organisation oder Nation, die sie aufbauen, wird der Bedeutung jedes Einzelnen gerecht. Der Prophet Micha verkündete eine Botschaft, die vergleichbar mit dem Zustand ist, dem wir in unserer Gesellschaft und in unserem Land ausgesetzt sind.
Tage der Helden und Verteidigungskräfte
Wir haben gerade den Heldenfeiertag und den Tag der Verteidigungskräfte gefeiert im Gedenken an die immensen Opfer unserer Kriegshelden. Die meisten unserer Leute haben auf verschiedene Weise zum Erfolg der Kriegsanstrengungen beigetragen. Wir erinnern uns an Thomas Mapfumo und andere, die durch ihre Musik die Menschen über den Kampf und die Gründe informiert haben. Wir kennen Geschäftsleute, Lehrer, Väter und Mütter, Jungen und Mädchen, deren Unterstützung den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage des Krieges ausmachte. Als Nation müssen wir diejenigen schätzen und ihnen dankbar sein, die ohne Waffen einen enormen Beitrag zur Unterstützung der Sache geleistet haben. Als Ihre Hirten spüren wir, dass unsere nationalen Führer uns zurück in die Mentalität und Praktiken der Kriegszeiten bringen wollen. Wir wollen, dass die Politik eine vereinte Nation aufbaut und uns nicht spaltet, zumal sich das Militär in Erinnerung an die verstorbenen Helden, gegen die Menschen wendet, die doch so viele Kämpfer gerettet haben, sie fütterten und bekleideten und mit großem Risiko mit Informationen unterstützen. Einige unserer lautstarken politischen Führer sind damit beschäftigt, die Kriegsstimmung wiederherzustellen und verzichten auf die Verantwortung, eine vereinte Nation aufzubauen. Wurden wir nicht alle durch dieses trennende politische Umfeld zum Nachteil des nationalen Gemeinwohls gespalten? Während wir die Opfer anerkennen, die unser gesamtes Volk für die Befreiung gebracht hat, machen wir uns weiterhin Sorgen darüber, was aus dem Mantra der Kriegszeiten und der 80er Jahre geworden ist. Dies ist nur möglich, wenn wir eine robuste Wirtschaft aufbauen. Eine Wirtschaft, die den Armen und Ausgegrenzten zugute kommt, die oft aufgrund des Krieges die Gelegenheit verpasst haben, ihre Kinder zu erziehen oder studieren zu lassen. Obwohl wir die Notwendigkeit verstehen, uns mit der globalen Wirtschaftsgemeinschaft zu befassen, sollten wir auch die verarmten Simbabwer nicht aus den Augen verlieren. In der neu unterzeichneten Vereinbarung zwischen der simbabwischen Regierung und den ehemaligen kommerziellen Landwirten werden beispielsweise die Interessen der Landarbeiter und ihrer Familien, die ihren Lebensunterhalt verloren haben, nicht berücksichtigt. Wir sind der Meinung, dass die Fürsorge der am stärksten gefährdeten Personen zu kurz kommt. Es scheint uns, dass Simbabwe sich schnell in Richtung Kapitalismus bewegt und die Meinung besteht, dass dies unserem Volk unermessliche Vorteile bringt. Wir müssen vorsichtig sein, wie Papst Franziskus erinnert:
„Einige Leute verteidigen weiterhin Trickle-Down-Theorien, die davon ausgehen, dass das Wirtschaftswachstum vom freien Markt gefördert wird und dadurch mehr Gerechtigkeit und Integration in der Welt zu erreicht wird. Diese Meinung, die durch Tatsachen nie bestätigt wurde, drückt ein grobes und naives Vertrauen in die Güte derjenigen aus, die wirtschaftliche Macht ausüben und einen selbstsüchtigen Lebensstil pflegen, der andere ausschließt. Noch warten die Ausgeschlossenen. Eine Globalisierung der Gleichgültigkeit hat sich entwickelt. Fast ohne es zu merken, sind wir nicht in der Lage, Mitgefühl beim Aufschrei der Armen zu empfinden“
(Evangelii Gaudium 2043).
Als Ihre Bischöfe glauben wir, dass die beschriebene Situation für Simbabwe gilt. Es fühlt sich an, als hätten die Armen niemanden, der sie verteidigt. Sie scheinen nicht auf der nationalen Agenda zu stehen. Ihre Schreie nach einem verbesserten Gesundheitssystem bleiben unbeachtet. Ihr Plädoyer für ein Verkehrssystem wird mit mehr und mehr Versprechungen und ohne Maßnahmen erfüllt. Echte Maßnahmen sehen wir nur, wenn unsere Führer um die Macht drängen, sie sichern oder in Machtämter aufsteigen. Uns als Ihren Bischöfen ist nicht klar, ob die nationale Führung über das Wissen, die sozialen Fähigkeiten, die emotionale Stabilität und die soziale Orientierung verfügt, diese Probleme zu bewältigen, mit denen wir als Nation konfrontiert sind. Alles was wir von ihnen hören ist, dass die Schuld an unseren Problemen an Ausländern, Kolonialismus, weißen Siedlern und den sogenannten internen Kritikern liegt. Wann übernehmen wir Verantwortung für unsere eigenen Angelegenheiten? Wann werden wir uns den Anforderungen der nationalen Rechenschaftspflicht unterwerfen? Während unsere Nachbarn in der Region ihre demokratischen Institutionen stärken, scheinen wir unsere zu schwächen. Unsere Chapter 12-Institutionen (vergleichbar mit unseren Grundrechten), die Justiz und die Strafverfolgungsbehörde scheinen ihre Unabhängigkeit und Wirksamkeit zu verlieren. Unsere Gesundheitseinrichtungen sind zusammengebrochen, unsere gut ausgebildeten Ärzte und Krankenschwestern bleiben arbeitsunfähig und werden vernachlässigt. Als Bischöfe haben wir versucht, einen ehrlichen Dialog über unser Gesundheitspersonal und die Gesundheitseinrichtungen zu eröffnen, doch wurde uns die Tür vor dem Gesicht zugeschlagen. Wohin taumelt die Nation angesichts der wachsenden Zahl an COVID-19-Infektionen? Die notwendigen Werkzeuge in unseren Krankenhäusern sind Mangelware und wir bemerken mit wundem Herzen, dass Regierungsbeamte mehr Schutzausrüstung haben als unsere Krankenschwestern und Ärzte.
Nationale Transformation
„Welcher Mann ist klug genug, das zu verstehen? Wer wurde vom Herrn unterwiesen und kann es erklären?“
Jeremia 9,12
Wir sind der Meinung, dass sich die Regierung auf andere Dinge als auf die nationalen demokratischen Prioritäten konzentriert. Dies entspricht einer Pflichtverletzung. Gute Führungskräfte sind klug genug zu sehen, wann Veränderungen und Innovationen notwendig sind. Sie sehen die Lücke – wie die Dinge sind und wie sie sein sollten – und versuchen diese Lücke zu schließen. Tief sitzende Werte leiten sie, systemische Änderungen vorzunehmen, um das Leben aller zu verbessern. Jeremia war ein leidenschaftlicher Prophet. Sein direktes Gespräch mit der Führung seiner Zeit brachte ihm großes persönliches Leid. Aber er widmete sich seinem Volk und wollte nicht schweigen, wenn Führer ihre Anhänger absichtlich irreführten. Jeremia hält trotz weit verbreiteter Opposition seine von Gott gegebene Mission aus und ist ihr treu gebleiben. Das Engagement und die Integrität des Propheten stehen in starkem Kontrast zu den Führern seiner Zeit. Jeremiah zeigt, dass manchmal einige der wichtigsten Veränderungen und Innovationen eintreten, wenn Führungskräfte bereit sind zuzuhören. Ein effektiver Führer ist einer, der die Lücken sieht und klug an den Dingen arbeitet, die sich ändern müssen. Gute Führer sind aufgerufen, sich den Lücken zu stellen, in die viele fallen und sich verlassen fühlen. Armut ist eine solche Lücke. Konfrontation ist eine der schwierigsten Führungsaufgaben, doch auch eine der mutigsten und wichtigsten Dinge, die ein Führer tun muss. Jeremiah interessierte sich nicht für Führer, die politisch korrekte Worte sprechen. Er ist mehr besorgt über ihre Handlungsfähigkeit und den notwendigen Strukturwandel, damit alle mit Würde behandelt werden. Führungskräfte, die sich für den Aufbau einer besseren Organisation oder Nation einsetzen, sind diejenigen, die ein überzeugendes Gespür dafür haben, was richtig ist. Tief sitzende Werte leiten sie. Ihre Prinzipien stehen im Mittelpunkt ihres Entscheidungsprozesses. Sie sind bereit zu benennen, was nicht funktioniert, führen schwierige Gespräche und treffen dann schwierige Entscheidungen. Sie scheuen die Probleme nicht. Sie sind den Menschen treu, die sie führen, nicht ihren eigenen Bestrebungen oder politischen Egos. Die Weigerung den Menschen zuzuhören, hat uns dorthin geführt, wo wir heute stehen. Laute Proteste in den sozialen Medien und Versuche in einem sehr repressiven Umfeld zu demonstrieren, sind ein klares Zeichen dafür, dass die Simbabwer das Gefühl haben, dass die Regierung ihnen den Rücken gekehrt hat.
Der umfassende nationale Vergleichsrahmenvorschlag
Die National Convergence Platform (NCP), eine Plattform, die sich aus verschiedenen Gremien der Apex Church zusammensetzt sowie Organisationen der Zivilgesellschaft puttygen , Wirtschaftsverbänden und Berufsverbänden haben kürzlich am 5. August 2020 einen umfassenden nationalen Siedlungsrahmen zur Lösung der komplexen Herausforderungen in Simbabwe auf den Weg gebracht. Der umfassende nationale Siedlungsrahmen (CNSF) versucht, unter den Bürgern einen Konsens zu erzielen, für eine umfassende Agenda und dauerhafte Lösung der Herausforderungen in Simbabwe. Der umfassende nationale Vergleichsrahmen formuliert fünf Kernfragen, die die Nation lösen muss, um sich aus den gegenwärtigen Spannungen zu befreien. Die Probleme sind wie folgt:
- Eine Gerichtsbarkeit, die sich an weltweit anerkannte Normen und internationales Recht hält
- Ein weitgehend vereinbarter Reformprozess in Richtung Konstitution und Rechtsstaatlichkeit
- Ein neuer Gesellschaftsvertrag auf der Grundlage einer integrativen volkswirtschaftlichen Vision
- Eine breit angelegte und integrative nationale humanitäre Hilfe und Nothilfe
- Eine Verbesserung der regionalen, kontinentalen und globalen Beziehungen.
Wir haben bereits in unserem ökumenischen Diskussionsdokument (The Zimbabwe We Want of 2006) die Notwendigkeit der oben genannten Prozesse hervorgehoben. Vierzehn Jahre sind bereits vergangen. Wir fordern dringend Frieden und Aufbau der Nationen durch integratives Engagement, Dialog und kollektive Verantwortung. Wir sind uns auch bewusst, dass uns die Covid-19-Pandemie auf absehbare Zeit vor neue Herausforderungen stellen wird. Wie John Lewis erkannte, wird der Marsch zwar nie beendet, aber gemeinsam werden wir ihn überwinden.
Gott segne euch alle.
Robert C. Ndlovu, Archbishop of Harare
Alex Thomas, Archbishop of Bulawayo
Paul Horan, Bishop of Mutare
Michael D. Bhasera, Bishop of Masvingo & Apostolic Administrator of Gweru
Albert Serrano, Bishop of Hwange
Rudolf Nyandoro, Bishop of Gokwe
Raymond Mupandasekwa, Bishop of Chinhoyi